Telepräsenz
Sonderforschungsbereich 453 „Wirkungsnahe Telepräsenz und Teleaktion“
Verlängerter Arm des Menschen im Weltraum
Gerd Hirzinger, DLR – Institut für Robotik und Mechatronik
Ulrich Walter, LRT – Lehrstuhl für Raumfahrttechnik

Telepresence Information Flow
Telepräsenz wird sich zu einer Schlüsseltechnologie der künftigen
Raumfahrt und Planetenerkundung entwi-ckeln. Mit Telepräsenztechnologien
werden die explorativen und manipulativen Möglichkeiten von Robotern
in der Raumfahrt derart erweitert, dass der Roboter zum verlängerten
Arm des Menschen am Boden wird. Am einfachsten ist die Vision realisierbar,
wenn eine direkte Funkverbindung (“Sicht“) zum Roboter im Weltraum
genutzt wird. Das sind allerdings bei niedrig fliegenden Systemen (typisch
300-800 km Höhe) nur wenige (6-8) Minuten an Sichtbarkeit. Soll bei niedrig
fliegenden Systemen (z.B. Raumstation, Space Shut-tle) ein längerer Telepräsenzbetrieb
(>30 min) stabil aufrechterhalten werden, besteht die optimale Konfiguration
darin, einen einzelnen geostationären Satelliten einzusetzen, der die
Telepräsenz-Verbindung zwischen dem Roboter und der Bodenstation aufrechterhält.
Da diese plausible Infrastruktur, die eine automatische Antennennachführung
im niedrigen Orbit impliziert, die bisher in der Raumfahrt nicht existiert,
sollen mit diesem Teilprojekt die Telepräsenz-Strukturen für zukünftige
Raumfahrtmissionen erarbeitet werden. Das Ziel ist
• die Bereitstellung einer zuverlässigen Telepräsenz-Verbindung
mit hohen Gütemerkmalen (Quality of Service),
• und ein modulares Roboter Steuerungs- und Regelungskonzept, welches einen
integrierten Telepräsenzbetrieb ermöglicht.
Mit dem vom DLR geplanten ROKVISS-Experiment auf der internationalen Raumstation
soll erstmalig 2004 ein multimodaler Telepräsenzbetrieb (Haptik- und Videokanal,
HV-Arbeitsraum) auf der Basis einer direkten Funkverbindung zu einem niedrig
fliegenden Raumfahrzeug erprobt werden. Verschiedene regelungstechnische Strategien
des Teilprojektes M6 sollen unter realen Bedingungen und mittels unterschiedlicher,
simulierbarer Totzeiten im Rahmen von ROKVISS evaluiert werden. Aus den Erfahrungen
und Experimenten sollen telepräsenzspezifische Systemanforderungen eines
HVA-Arbeitsraumes an zukünftige Telepräsenz-Strukturen für Raumfahrtanwendungen
abgeleitet werden. Darauf aufbauend soll ein integrierendes HVA-Referenzsystem
für Raumfahrtanwendungen spezifiziert, entwickelt und evaluiert werden,
das auf der Basis nachführbarer Antennen unabhängig von der Art,
Position und Lage einer Satellitenplattform geeignete Telepräsenz-Verbindungen
zur Bodenstation auf der Erde über einen (geostationären) Relaysatelliten
bereitstellt. Neben den Telepräsenz-Verbindungen soll ein modulares Steuerungs-
und Regelungskonzept spezifiziert werden, das klassische „Shared Control“ Konzept
um die Telepräsenz-Ansätze erweitert.
Erforderlich ist die Demonstration der Machbarkeit in S/W-Simulation und Tests,
die Untersuchung der Etablierungsdauer für die sog. High-Gain Verbindung,
sowie eine Analyse der Signalstabilität in der Testumgebung.
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