AIV (Assembly, Integration and Verification)
Nach der Entwicklungs- und Designphase werden die einzelnen Komponenten und
Subsysteme von BayernSat zusammengefügt. Diese Integration findet in
den Räumlichkeiten des Lehrstuhls für Raumfahrttechnik statt.
Sobald die erste Hardware zur Verfügung steht, wird diese auf Herz und
Nieren überprüft, ob sie den harten Anforderungen einer Raumfahrtmission
genügen. Diese Verifikation umfasst sowohl Tests mit echter Hardware,
als auch Analysen von Designs mit Hilfe von Berechnungen und Simulationen,
wie zum Beispiel die Finite Element Analyse bei der Struktur für BayernSat.
In Bild 1 ist die Entwicklung der Satellitenstruktur als Beispiel für
den Verifikationsablauf dargestellt.
Bild 1: Verifikationsablauf für die Struktur
BayernSat wird mit einer 2-Modell-Philosophie gebaut. Das heißt, es
wird ein Struktur-/Thermalmodell das in ein Ingenieurmodell mündet und
ein endgültiges Flugmodell geben. Alle Qualifikationstests werden am
Ingenieurmodell durchgeführt. Das Flugmodell wird zum Abschluss nur Abnahmetest über
sich ergehen lassen, die einerseits mögliche Baufehler aufdecken soll,
sowie einen Nachweis geben, dass der Satellit den Start überlebt. Diese
abschließenden Tests werden voraussichtlich bei der Firma IABG durchgeführt,
die über die nötigen Einrichtungen verfügen.
Den insgesamt langwierigsten Test stellt der Integrierte Systemtest dar. Hierzu
wird zuerst eine komplette Simulation des Satelliten inklusive seiner Umwelt
in der Erdumlaufbahn in Software modelliert. Einzelne Software-Module, die
Subsysteme des Satelliten simulieren, werden nun Schritt für Schritt durch
echte Hardware ersetzt und in einem Hardware-in-the-Loop Test auf ihre Funktionstüchtigkeit überprüft.
Hierbei spielt auch die Verifikation der On-board Software, die später
die Kontrolle des Satelliten übernimmt eine große Rolle. Mit der
Zeit sind alle einzelnen Komponenten des Satelliten miteinander verbunden und
können in ihrem Zusammenspiel getestet werden. Das dabei entstehende Gebilde
nennt man auch einen Flat-Satellite (siehe Bild 2), da die Komponenten noch
nicht im Flugmodell integriert sind.

Bild 2: Flat-Satellite
Die empfindlichen Komponenten des Satelliten müssen unter sehr sauberen
und klimatisierten Bedingungen gehandhabt werden. Hierzu wird am Lehrstuhl
für Raumfahrttechnik ein entsprechender Reinraum eingerichtet.
Folgende Anforderungen sind bisher an diesen Reinraum gestellt:
• Reinraum Klasse 100.000 (US Federal Standard 209e)
• Flexibles Design, das für zukünftige Projekte angepasst werden
kann
• Der Reinraum muss in einen vorhandenen Raum des Lehrstuhls passen
• Der Reinraum darf nicht zu kostspielig werden.
In einer Studie werden zur zeit drei Konzepte untersucht.
Das erste Konzept sieht die Nutzung der vorhandenen Gebäude-Klimaanlage
vor, um die nötige Reinraumklasse zu erreichen. Hierzu sind kleinere Umbauten
des vorhandenen Raumes notwendig.
Im zweiten Konzept werden die Vorgaben durch eine Kabine oder ein Zelt, welches
innerhalb des vorhandenen Raumes aufgebaut wird, erreicht. Oberhalb der Kabine/Zelt
sitzen Filtereinheiten (Filter Fan Unit, FFU), die diese Kabine/Zelt mit gefilterter
Luft füllen (siehe Bild 3 und 4).

Bild 3: Integrationsraum mit Reinraumkabine und zwei FFU (grün)
Bild 4: Reinraumzelt aus einer Aluminiumstruktur, Plastikwänden und zwei
FFU
Das dritte Konzept ähnelt dem ersten. Der Unterschied liegt in einem
zusätzlichen Flow-Tower, der größere Änderungen an der
Gebäude-Klimaanlage vermeidet. Der Flow-Tower saugt die Luft innerhalb
des Reinraumes von unten an und bläst sie gefiltert wieder aus (siehe
Bild 5 und 6). Mit der Zeit wird die Luft innerhalb des Raumes gereinigt und
die gewünschte Reinraumklasse erreicht. Auch hier sind kleinere Änderungen
am vorhandenen Raum notwendig.
|
|
|
Bild 5: Flow-Tower mit Einlass am
unteren und Auslass am oberen Ende
|
Bild 6: Flow-Tower innerhalb des
Reinraumes mit Luftkreislauf (saubere Luft blau, verschmutzte Luft
rot)
|
|